LEISTUNGSVERZEICHNIS
1. Gegenstand der Ausschreibung
Gegenstand dieser Ausschreibung ist die Lieferung, Errichtung und Inbetriebnahme eines stationären Lithium-Eisenphosphat-Batteriespeichers (LFP-BESS) in Schrankbauweise zur netzgekoppelten Nutzung. Das System dient der Spitzenlastkappung, der PV-Eigenverbrauchsmaximierung sowie der Erhöhung der netzseitig verfügbaren Leistung ohne Ausbau des vorhandenen Netzanschlusses. Inselfähigkeit und Netzersatzanlagenmodus müssen als integrierte Funktionalität verfügbar sein.
2. Technische Mindestanforderungen
Angebote, die die nachfolgend beschriebenen Mindestanforderungen nicht vollständig erfüllen, werden vom Verfahren ausgeschlossen. Gleichwertige Ausführungen sind durch den Bieter nachzuweisen.
2.1 Energiespeicher – Zellen und Kapazität
| Nennkapazität (nutzbar) | Mindestens 225 kWh, maximal 300 kWh; angebotene Kapazität ist verbindlich anzugeben |
| Zelltechnologie | Lithium-Eisenphosphat (LiFePO₄) – ausschließlich; andere Zellchemien sind nicht zugelassen |
| Zellqualifikation | Freigabe durch einen deutschen Maschinenversicherer zwingend erforderlich; Nachweis ist Angebotsbestandteil |
| Referenzzellen | HITHIUM oder technisch und qualitätsseitig nachweislich gleichwertig |
| Zyklenlebensdauer | Mindestens 6.000 Vollzyklen bei ≥ 80 % verbleibender Kapazität (Prüfbedingung: 0,5 C, 20 °C, 90 % DoD) |
2.2 Wechselrichter und elektrische Leistung
| Elektrische Nennleistung AC | Mindestens 100 kW, maximal 150 kW Dauerlast, bidirektional |
| Lade- und Entladeleistung | Symmetrisch bidirektional; Lade- und Entladeleistung sind jeweils verbindlich anzugeben |
| Systemarchitektur | Redundante, modulare Leistungsmodule; die Entladeleistung entspricht 0,5 C bezogen auf die Nennkapazität; Ausfall eines einzelnen Moduls darf die Gesamtverfügbarkeit des Systems nicht unterbrechen |
| Netzspannung | 400 V, 3-phasig, 50 Hz |
| Stromqualität | Reiner Sinusstrom; Oberwellengehalt THD ≤ 3 % im Nennbetrieb |
| Anlaufströme | Dokumentation der maximalen Anlaufströme sowie Inrush-Begrenzungskonzept sind Bestandteil der Angebotsunterlagen |
2.2a Power Conversion System (PCS) – Redundantes Mehrstufensystem
Das Leistungswandlersystem muss in einer redundanten Mehrstufenarchitektur ausgeführt sein, die einen unterbrechungsfreien Weiterbetrieb bei Ausfall einzelner Module sicherstellt.
| Architekturprinzip | Modulares Mehrstufen-PCS; mindestens zwei unabhängig arbeitende Leistungsmodule (n+1-Redundanz); Ausfall eines Moduls führt zu keiner Systemabschaltung |
| Stufenanzahl | Mindestens 2 aktive Leistungsstufen im Normalbetrieb; im Redundanzfall trägt die verbleibende Stufe die Gesamtlast bis zur Nennleistung der Restmodule |
| Hot-Swap-Fähigkeit | Austausch eines defekten PCS-Moduls im laufenden Betrieb ohne Systemstillstand zwingend erforderlich |
| Wirkungsgrad | Systemwirkungsgrad ≥ 95 % bei Nennlast (AC/DC und DC/AC); Wirkungsgradkurve über den Teillastbereich ist im Angebot anzugeben |
| Regelungsgeschwindigkeit | Leistungsänderungsrate mindestens 100 % Pn/s; Reaktionszeit auf Sollwertvorgabe ≤ 20 ms |
| Schutzfunktionen je Stufe | Eigene Überstrom-, Kurzschluss- und Übertemperaturschutzfunktion je Leistungsmodul; galvanische Trennung zur Busschiene bei Moduldefekt |
| Lastverteilung | Aktive Lastvektorregelung zwischen den Modulen; automatischer Lastausgleich bei Modulausfall ohne manuelle Konfiguration |
| Überwachung | Permanente Zustandsüberwachung jedes PCS-Moduls mit Einzelalarmierung; Integration in das übergeordnete BMS und EMS zwingend erforderlich |
2.3 PV-Integration – DC-Direkteinspeisung und AC-Kopplung
Das System muss sowohl eine native DC-seitige PV-String-Einspeisung als auch die AC-seitige Kopplung bestehender PV-Wechselrichter unterstützen. Beide Betriebsarten müssen gleichzeitig oder unabhängig voneinander nutzbar sein.
| DC-Direkteinspeisung (Mindestanforderung) | Mindestens 50 kW DC-Direkteinspeisung über integrierten MPPT-Eingang; Eingangsparameter (Spannungsbereich, max. Strom) sind im Angebot verbindlich anzugeben |
| AC-Kopplung PV-Wechselrichter | Anschluss bestehender netzgeführter PV-Wechselrichter (AC-seitig) zwingend unterstützt; Leistungsgrenze und Schnittstellenanforderungen sind im Angebot anzugeben |
| Betriebsart DC | Direkter String-Anschluss ohne zwischengeschalteten AC-Wechselrichter; Betrieb im Netz- und Inselbetrieb |
| Betriebsart AC | AC-gekoppelte PV-Wechselrichter bleiben im Netz- und Inselbetrieb aktiv; keine EVU-seitige Zwangsabregelung, wenn Speicherkapazität verfügbar |
| Regelung | Automatische Priorisierung: DC-Direkteinspeisung hat Vorrang; überschüssige Erzeugung wird in den Speicher geleitet oder eingespeist |
2.4 Betriebsmodi und Schaltvermögen
Das System muss folgende Betriebsmodi ohne zusätzliche externe Komponenten unterstützen:
- Netzparallelbetrieb mit Spitzenlastglättung und -kappung (Peak-Shaving)
- PV-Eigenverbrauchsmaximierung im Netz- und Inselbetrieb
- Bidirektionaler Stromhandel (Import / Export)
- Erhöhung der nutzbaren Netzanschlussleistung ohne bauliche Erweiterung des Netzanschlusses
- Netzersatzbetrieb mit integrierter automatischer Notstromumschaltung
- Schwarzstartfähigkeit (ohne Einspeisung aus dem öffentlichen Netz)
- Vollständiger Inselbetrieb
2.5 Kühlung
Das System muss über ein aktives Luftkühlsystem mit geregelter Klimatisierung verfügen, das einen sicheren Betrieb im gesamten spezifizierten Temperaturbereich gewährleistet.
| Kühlprinzip | Aktive Luftkühlung mit integrierter Klimaanlage je Batterieschrank |
| Temperaturbereich | Betrieb bei Umgebungstemperaturen von −10 °C bis +45 °C ohne Leistungsreduzierung |
| Zelltemperaturregelung | Permanente Überwachung und aktive Regelung der Zellinnentemperatur; maximale Temperaturspreizung zwischen den Modulen ≤ 5 K im Dauerbetrieb |
| Schutzklasse | Mindestens IP 54 (Außenaufstellung); Filtermatten oder äquivalenter Staubschutz für Lüfteröffnungen |
| Redundanz | Kühlausfall eines Schranks darf nicht zu Sofortabschaltung des Gesamtsystems führen; thermisches Management mit Alarm und gesteuerter Leistungsreduzierung erforderlich |
2.6 Brandschutz
| Brandfrüherkennung | Integrierte Brandmeldeanlage innerhalb jedes Batteriepacks, zertifiziert nach geltenden deutschen Normen |
| Präventives System | Präventives Brandunterdrückungssystem innerhalb der Batteriepacks zwingend erforderlich |
2.7 Steuerung, EMS-Integration und Konnektivität
Lokale Bedienung
| Bedienoberfläche | Lokaler Touch-Computer mit grafischer Benutzeroberfläche; Statusanzeige in Echtzeit (SOC, Leistungsfluss, Alarmzustand) |
| Steuerungsmodi | Manuell, zeitgesteuert (Wochenprogramm), lastgeführt und ferngesteuert |
Energiemanagementsystem (EMS)
Das System muss eine vollständige EMS-Integration unterstützen. Folgende EMS-Funktionen müssen nativ oder über offene Schnittstellen verfügbar sein:
| Peak-Shaving | Automatische Begrenzung der Bezugsleistungsspitze auf einen konfigurierbaren Schwellenwert; Regelung in Echtzeit auf Basis aktueller Lastmessung |
| Lastmanagement | Priorisierte Steuerung von Lade- und Entladevorgängen in Abhängigkeit von Tarifen, Lastvorgaben und PV-Erzeugung |
| Tarifoptimierung | Zeitgesteuerte Be- und Entladung nach konfigurierbaren Zeitfenstern (z. B. HT/NT-Tarif, Day-Ahead-Preise) |
| PV-Überschusssteuerung | Automatische Aufnahme von PV-Überschuss; Entscheidungslogik zwischen Eigenverbrauch, Speicherladung und Einspeisung konfigurierbar |
| Blindleistungsregelung | PQ-Regelung zur Netzstützung; cos φ-Vorgabe über EMS oder Direktkonfiguration |
| Fernzugriff und Monitoring | Webbasiertes oder cloud-gestütztes Monitoring mit Echtzeit-Datenzugriff; Alarmierung per E-Mail oder SMS; Datenspeicherung mindestens 2 Jahre |
| EMS-Schnittstelle | Offene Schnittstelle für externe EMS-Systeme über MODBUS TCP/RTU; optional: SunSpec, EEBUS oder IEC 61850 (ist im Angebot anzugeben) |
| API-Zugang | REST-API oder gleichwertige Schnittstelle für die Integration in übergeordnete Gebäude- oder Energiemanagementsysteme (BMS/SCADA) zwingend erforderlich |
Konnektivität und Skalierbarkeit
| Kommunikation | MODBUS TCP/RTU; Ethernet (LAN/WLAN); RS485 |
| Skalierbarkeit | Parallelschaltung und gemeinsame EMS-Steuerung mehrerer Einheiten; maximale Anzahl parallelschaltbarer Einheiten ist im Angebot anzugeben |
2.8 Gehäuse und Aufstellung
| Bauform | Schrankbauweise (kein Seecontainer); zur Innen- oder Außenaufstellung geeignet; Schutzklasse mindestens IP 54 für Außenaufstellung |
| Maximale Außenmaße | Breite ≤ 1.700 mm, Tiefe ≤ 3.100 mm, Höhe ≤ 1.800 mm; tatsächliche Maße sind im Angebot verbindlich anzugeben |
| Farbe | Nach Wahl des Auftraggebers; RAL-Angabe erfolgt bei Auftragserteilung |
| Gesamtgewicht (ca.) | Ist im Angebot verbindlich anzugeben (vollbestückt) |
| Aufstellungsart | Innen- oder Außenaufstellung; Fundamentanforderungen sind im Angebot zu dokumentieren |
2.9 Aufbau und Systemkomponenten
Batteriemanagementsystem (BMS)
Das integrierte BMS muss folgende Parameter einer permanenten Überwachung sicherstellen:
- Zellspannung – lückenlose Einzelzellüberwachung
- Modultemperatur – messpunktgenaue Erfassung je Modul
- Ladestrom und Entladestrom
- State of Charge (SOC) und State of Health (SOH)
Automatische Schutzabschaltung muss bei folgenden Ereignissen ausgelöst werden:
- Über- oder Unterspannung auf Zellebene
- Übertemperatur
- Kurzschluss
- Erdschluss
Batteriesystem
- Seriell/parallel verschaltete Zellmodule mit dokumentiertem Verschaltungskonzept
- Einzelzellüberwachung auf Zellebene: Spannung und Temperatur
- Aktives oder passives Zellbalancing zwingend erforderlich
- Kommunikationsschnittstellen: CAN, RS485 und Ethernet (mindestens zwei gleichzeitig aktiv)
Energiespeicherumrichter
- Bidirektionaler Wechselrichter, netzsynchron und nativ inselfähig
- Netzanschluss 400 V, 3-phasig, 50 Hz
- Netzparallelbetrieb mit Spitzenlastkappung (Peak-Shaving)
- Aktives Lastmanagement
- Wirkleistungs- und Blindleistungsregelung (PQ-Regelung)
- Virtual Synchronous Generator Funktion (VSG) zur Bereitstellung synthetischer Trägheit
2.10 Dokumentation bei Fertigstellung
Mit Fertigstellung der Baumaßnahme sind folgende Unterlagen dreifach in Stehordnern zu übergeben:
- Inhaltsverzeichnis und Anlagenbeschreibung
- Funktionsbeschreibung
- Konstruktions- und Aufbaupläne
- Technische Datenblätter aller Komponenten
- Inbetriebnahmeprotokolle mit sämtlichen Mess- und Einstellwerten
- Messprotokolle der Isolationsmessungen
- Messprotokolle zur Prüfung der Schutzmaßnahmen
- Garantiebescheinigungen und Garantiebedingungen
- Betriebsanleitungen der Wechselrichter und der Fernüberwachung
- Bedienungs- und Betriebsanleitungen aller Hauptkomponenten
- Einweisungsprotokoll mit Unterschrift des Betreibers
- Konformitätsbescheinigungen und Unbedenklichkeitsbescheinigungen
- Fachunternehmererklärung
- Strangschema der Anlage
- Verteilerpläne in EPLAN
Sämtliche Unterlagen sind zusätzlich digital auf USB-Stick im PDF-Format zu übergeben.
3. Service und Garantie
| Garantie Bauteile | Mindestens 4 Jahre auf alle Bauteile außerhalb der Batteriezelle |
| Hotline | Deutschsprachige Service-Hotline, kostenlos, Laufzeit nicht befristet |
| Ersatzteillogistik | Expresslieferung (DHL Express oder gleichwertig) für Ersatz- und Verschleißteile |
| Engineering-Cloud | Kostenfreier Zugang zu einer herstellerseitigen Ingenieur-Cloud-Plattform für Monitoring, Diagnose und Konfiguration |
| Reaktionszeit | Maximale Reaktionszeit auf Support-Anfragen ist im Angebot verbindlich anzugeben |
4. Nachweise und Unterlagen
Mit dem Angebot sind zwingend einzureichen:
- Datenblatt Batteriezelle mit Angabe des Herstellers, Zellformats und elektrochemischer Kenndaten
- Freigabedokument eines deutschen Maschinenversicherers für die eingesetzten LFP-Zellen
- Technisches Datenblatt des Immersionskühlsystems inkl. Sicherheitsdatenblatt des Kühlfluids
- Nachweis thermischer Leistungsfähigkeit (Simulation oder Messprotokoll bei Volllast)
- Schaltplan / Einliniendiagramm des Gesamtsystems
- Referenzliste von mindestens zwei realisierten BESS-Projekten ≥ 1.000 kWh in Deutschland oder der EU (Ansprechpartner und Inbetriebnahmejahr)
- CE-Konformitätserklärung und Liste der angewandten Normen
- Bei Lieferungen aus Drittstaaten oder durch Anbieter ohne EU-Niederlassung: schriftliche Benennung eines EU-Bevollmächtigten gemäß EU-Produktsicherheitsrecht (Verordnung (EU) 2023/988 bzw. anwendbare Produktverordnung) zwingend erforderlich; Name, Anschrift und Kontaktdaten sind Angebotsbestandteil
5. Fristen und Einreichung
| Angebotsfrist | [Datum einsetzen] |
| Bindefrist | 90 Tage ab Angebotsabgabe |
| Einreichungsform | Elektronisch in einem gesicherten PDF/ZIP-Paket, verschlüsselt |
| Kontakt / Einreichungsadresse | [Auftraggeber und Kontaktdaten einsetzen] |
| Rückfragen | Schriftlich bis [Datum einsetzen]; Beantwortung erfolgt an alle Interessenten |
Referenzprodukt gemäß Leistungsverzeichnis
Als Referenzsystem, das die vorstehenden Mindestanforderungen vollständig erfüllt, gilt das Modell
SCU GRES 300, erhältlich über den autorisierten Vertriebspartner:
LadeEngel – Oliver Kalz e.K.
Wanninchener Straße 8 · 15926 Luckau / OT Görlsdorf · Deutschland
Tel.: +49 (0) 3544 555851 | E-Mail: verkauf@ladeengel.de
Web: www.ladeengel.de
Handelsregister: Amtsgericht Cottbus · HRA 2991
Gleichwertige Systeme anderer Hersteller werden zugelassen, sofern der Bieter die technische Gleichwertigkeit mit den in diesem Leistungsverzeichnis definierten Mindestanforderungen vollständig und nachvollziehbar dokumentiert. Die Beweislast für die Gleichwertigkeit liegt beim Bieter. Eine bloße Herstellererklärung ist nicht ausreichend.